Die Abenteuer der kleinen Wurzelfrau

Das Herbstfest“

 

Eine Geschichte für den Waldkindergarten Wall

 

In dem moosbewachsenen, morschen Baumstumpf regt sich doch etwas? Da wackelt etwas grünes Zipfeliges. Das wächst aber schnell! Achtung, da kommt ja ein ganzer Berg raus. Kichert da jemand?

Die Wurzelfrau ist es. Sie hat sich diesmal einen Weg durch die Erde hinauf in den gelben Zauberwald gegraben. Das geht wesentlich schneller als vom blauen in den grünen Zauberwald zu Fuß zu gehen.

Doch was ist das? Hier sieht es ganz anders aus als früher und es fühlt sich auch ganz anders an. Irgendwas hat sich verändert im gelben Zauberwald. Aber was? Auf jeden Fall ist es sehr Geheimnisvolles.

Die kleine Wurzelfrau hat sich den Weg hierher gegraben, weil sie ein Herbstfest mit ihren Freunden feiern will. Aber jetzt ist sie sich nicht einmal sicher, ob sie am richtigen Ort ist. Und was macht eine Wurzelfrau, die sich nicht ganz sicher ist? Sie fragt den ältesten Baum im Wald.

 

Da kommt der Zwerg Zwack singend aus dem Wald.

 

Im Wald sind wir zuhause heya heya ho

Im Wald sind wir zuhause heya heya ho

 

HEYA –A – A, HEYA – A –A“

 

Der Zwerg Zwack dreht sich 3x um sich selbst

Springt 3x in die Höh’

Klatscht 3x in die Hände

Legt sie dann aufs Herz

schließt die Augen

und wird ganz

ruhig

 

 

Ja, dieser Zauberwald hat sich sehr gewandelt. Er funkelt nicht nur in goldgelbener Farbe wie einst, sondern seit einiger Zeit auch in orange, rot, grün, blau und violett.

Seit 3 Jahren nun kommen jeden Vormittag Kinder in den Wald und spielen und lachen und tanzen und essen und streiten und bauen und weinen und klettern. Alles passiert hier, was so zum Leben gehört. Es ist im Wald dann so lebendig, dass man all das sogar noch den ganzen Tag spüren kann, auch wenn die Kinder am Mittag schon gegangen sind.

Was diesen Platz so besonders macht ist, dass hier die Kinder noch mit den Waldwesen sind. Den Zwergen legen sie kleine Geschenke vor ihr Haustüren und diese wiederum legen ihnen Wege aus glitzergoldenen Steinen in den Wald. Von den Elfen lassen sie sich zeigen, wer hier in welcher Pflanze wohnt, mit den Feen tanzen sie lustig im Kreis und singen Lieder und von den uralten Baumwesens lassen sie sich Geschichten erzählen. 

Alle haben hier so große Freude mit den Kindern, dass der Wald sich verwandelt hat in einen ...

 

...Regenbogenzauberwald!“ ruft die kleine Wurzelfrau, die gerade wieder aus dem Wald kommt. „Das ist das Geheimnis des Ortes. Die alte Fichte hat es mir erzählt. Wegen der Kinder.“ erzählt sie Zwack, der das alles ja schon lange weiß.

Wenn wir hier richtig sind, kann das Herbstfest ja losgehen.“ 

Der erste Gast ist das Eichhörnchen. Es läuft ganz flink über den Boden und sammelt alles, was es finden kann. Die Bucheckern, die Eicheln, die Fichtensamen,.... Es muss noch seine Wintervorräte auffüllen bevor der Schnee kommt. Während es sucht und findet spricht es ganz hektisch: „ Herbstfest! Herbstfest! Im Herbst kann ich kein Fest feiern. Ich muss sammeln, sammeln, sammeln. Wurzelfrau, ich komme auf eine Tasse Tee vorbei, wenn ich genug Vorräte für den Winter habe. Aber feiern, jetzt, kann ich nicht.“

Ist gut kleines Eichhörnchen. Ich freu mich auf deinen Besuch und eine volle Vorratskammer wünsch ich dir.“ ruft ihm die Wurzelfrau hinterher.

Ein Schatten zieht über den Waldboden. Am Himmel fliegt die Eule, die so leise ihre Flügel bewegt, dass man sie gar nicht kommen hört. Sie landet sanft und elegant auf den Zweigen der Fichte. „Ich liebe den Herbst.“ Sagt sie mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme. „Er färbt die Blätter der Bäume immer so schön bunt. Und außerdem werden die Tage immer kürzer und die Nächte immer länger. Diese Jahreszeit mag ich besonders.“

Kaum hat sie das ausgesprochen, kommt der Hase lauthals singend angehoppelt: „Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da! Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da!“ plötzlich bleibt er stehen, streckt seine Löffel wie riesige Antennen in den Himmel und reißt seine Augen auf: „DER HERBST!!! Ich hab doch noch gar kein Winterfell! Und in meinem Bau ist es auch noch nicht kuschelig warm!“ dann flitzt er doppelt so schnell wie er gekommen ist, singend, wieder nach hause zurück.

Unterhalb des Baumstumpfs kommt ein leises „Quaaak!“ „Herbst. Isch liieeebbee den Herbst. Da wird es nach der Ernste dann endlisch ruhiger und immer ruhiger. Und wenn dann der Schnee kommt ist es ganz schtill. Da bin isch schon unter der Erde und mache einen ganz schtillen Winterschlaf. So wie der Fuchs von dort drüben.“

Aber der Fuchs macht keinen Winterschlaf wie du“ erwidert die Wurzelfrau. „Er kommt im Winter alle zwei Tage aus seinem Bau heraus und fängt Beute.“

Wisst ihr, wer noch unter der Erde schläft? Die Samen, die im Herbst zu Boden gefallen sind. Sie werden von den Erdmännlein gut zugedeckt und bekommen von der Erden Mutter ein Lied gesungen, bis auch sie in den tiefen Winterschlaf fallen. Im Frühling dann werden sie geweckt vom ersten kräftigen Sonnenstrahl, der bis unter die Erde scheint. Sie springen auf und keimen. Mit all ihrer Kraft wachsen sie in Richtung Erdoberfläche und brechen mutig hindurch.

Blätter wachsen an ihrem Stiel. Und dann im Frühling kommen die Knospen. In ihnen schlummern duftende, farbenfrohe Blüten, die sich zauberhaft entfalten. Dann fällt die Blüte ab und im Sommer bringt sie eine Frucht hervor. Vielleicht einen Kürbis oder eine Tomate oder eine Zwetschke oder einen Apfel. All das, auf so wundersame und natürlichste Weise gewachsene Obst und Gemüse, all das Getreide, können wir im Herbst ernten.

 

Also lasst uns gemeinsam, mit allen Tieren des Waldes, allen Wesen und allen Kindern ein Herbstfest feiern! 

Lasst uns gemeinsam singen und tanzen und springen und das Leben feiern.

 

Danke, für all das viele Essen. 

Danke, dass wir uns immer satt essen können.

Danke, dass es uns so gut geht.

Danke, dass wir im Frieden gemeinsam Leben.

  

Lasst uns gemeinsam singen: 

Ich bin ein Kind von Sonne, Mond und Sterne.

Ich bin ein Kind von dieser Erde.

Ich werde, ich werde, ich werde was ich bin.“

 

 

 

 

Wo wohnt die kleine Wurzelfrau? 

(Antwort: Im blauen Zauberwald unter der ururururalten Eiche)

 

Was ist ihre Leibspeise? 

(Antwort: Kürbis und Kartoffeln gekocht, als Suppe oder im Backofen)

 

 

 

© Mareike Kirsch, 27.09.2016